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Geschichte der Berufsausbildung

Nachdem im Oktober 1946 der in Murmansk beheimatete Fischdampfer „Kolchosnik“ zum Umbau eintraf wurde deutlich, dass diese Herausforderung eine weitere Umgestaltung der Ingenieurbaugesellschaft mbH zu einem Schiffbaubetrieb erforderlich machten. Viele Arbeiter hatten nie im Schiffbau gearbeitet. Da die Fachkräfte überall fehlten, wurde mit der Ausbildung solcher Berufsgruppen wie Schiffbauer, Schiffszimmerer und Bootsbauer begonnen. Erst 1950 konnten die ersten Lehrlinge eine Facharbeiterprüfung ablegen.

Zu Beginn der Loggerschlacht im Jahr 1949 gab es nur eine Lehrwerkstatt. 98 Lehrlinge begannen am 17. Oktober 1949 ihre Ausbildung in den Berufen E-Monteur, Schiffbauschlosser, Tischler und Bootsbauer. Ihre Ausbilder lehrten und lernten Schiffbau von der Pike an. Sie waren gute Facharbeiter in der Produktion, aber pädagogische Erfahrungen hatte niemand.

Die Berufsausbildung der VWS wurde 1950 als Lehrkombinat südlich der 1948 umbenannten ehemaligen Ingenieurbaugesellschaft mbH in „Volkswerft Stralsund“ auf dem ehemaligen Gelände einer Fallschirmfabrik gegründet. Am 1.Mai.1950 wurde das neue Gebäude der Betriebsberufsschule fertig gestellt und als Lehrkombinat in Betrieb genommen. In der BBS befanden sich 10 Klassenräume, in denen in 30 Klassen etwa 800 Schüler unterrichtet werden konnten.

Dem Werftbuch zum 30jährigen Bestehen der Volkswerft können wir entnehmen, dass es 1950 mit 112 Lehrlingen begann und, das es 1952 bereits 400 junge Menschen waren, die hier eine Ausbildung aufnehmen konnten.

1957 wurde das Lehrkombinat in Betriebsberufsschule umbenannt. In den 1950ger Jahren schlossen auch 15 Griechen, 19 Koreaner, 8 Afrikaner, 2 Peruaner und 2 Vietnamesen in den Berufsgruppen Schiffbauer, Motorenschlosser, Maschinenschlosser und Reparaturschlosser ihren Facharbeiter ab. 1978 haben über 900 Lehrlinge in der BBS gelernt. In diesem Jahr nahmen auch junge Vietnamesen und Inder eine Berufsausbildung hier auf.

Der weitere Ausbau von Lehrwerkstatt und Lehrlingswohnheim in den Jahren 1954 – 1956 ermöglichte es, die Kapazität von 400 auf 800 Lehrlinge heraufzusetzen. 1958 unterrichten in der BBS 16 Lehrer, 54 Lehrmeister. In der Heimerziehung waren 7 Kollegen tätig.

Zu Beginn der Lehrausbildung beschränkte man sich auf Reparaturobjekte, an denen die Lehrlinge von Fall zu Fall eingesetzt wurden. In den späteren Jahren dagegen wurde staatliche Ausbildungsunterlagen geschaffen, die es ermöglichten unseren Nachwuchs planmäßiger und qualitativer auszubilden.

Das ehemalige Lehrkombinat erhielt 1952 einen eigenen VEB-Plan und wurde erstmalig mit einer Lehrproduktion beauflagt. Unter anderem wurden 2 Hafenboote für die Volksrepublik Polen als Exportauftrag gebaut. Nach der Auslieferung der Hafenboote begann der Bau von 3 Seezeichen-, Kontroll- und Bereisungsbooten für den seehydrografischen Dienst. Mit besonderem Eifer bauten die Lehrlinge 2 Stahlkutter für die Sowjetunion. Der Rat der Stadt Stralsund übergab im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes den Auftrag zum Bau eines Fährschiffes. Viele Jugendliche waren stolz in die einzelnen Bauetappen dieses Fährschiffes mit einbezogen worden zu sein. Und waren stolz, als der „Stralsunder“ am Vorabend des 1.Mai 1957 vom Stapel lief.

Die Berufsschule delegierte immer wieder besonders gute Schüler zu den Fach- und Hochschulen sowie zur Arbeiter- und Bauernfakultät. Viele ehemalige Lehrlinge arbeiteten danach als Ingenieure auf der Volkswerft. In einer anderen von der Volkswerft herausgebenden Broschüre ist zu lesen : "Nach einjähriger beruflicher Grundausbildung werden unsere Lehrlinge heute zur speziellen Ausbildung in die Produktionskollektive der Werft eingegliedert. Dadurch erhalten sie schon rechtzeitig die Möglichkeit, die Probleme der Werft kennen zu lernen. … Ehemalige Lehrlinge und Umschüler, die durch unsere Bildungseinrichtungen qualifiziert wurden, arbeiten heute in der Produktion als Meister, Techniker und Ingenieur."

In der Jubiläumsbroschüre „10 Jahre Volkswerft Stralsund“ wurde darauf verwiesen, das 1948 die ehemalige Fallschirmfabrik der Volkswerft übereignet und eine Lehrwerkstatt eingerichtet wurde. Ihre Ausbildung als Maschinenschlosser, Motorenschlosser, Dreher, Schmiede, Elektriker, Stahlschiffbauer, Bootsbauer und Tischler begannen 130 Lehrlinge .

Für die praktische Berufsausbildung standen qualifizierte Facharbeiter von der Werft zur Verfügung. Den theoretischen Unterricht führten 3 Fachlehrer durch. Es war vorgesehen die Kapazität der Lehrwerkstatt auf 400 bis 500 Lehrlinge zu erhöhen. Seit dieser Zeit waren fast 10 Jahre vergangen und bis zum damaligen Tag haben insgesamt 2000 Lehrlinge in der Ausbildungsstätte der Volkswerft einen Facharbeiterbrief erhalten.

1978 wurde in der von der Werftleitung herausgegebenen Jubiläumsbroschüre darauf verwiesen, dass die BBS in ihrem 30jährigen Bestehen eine Berufsausbildung in 16 verschiedenen Ausbildungsberufen stattfand und über 10000 Facharbeiter und Umschüler qualifiziert ausgebildet wurden. Es konnte auch festgestellt werden, dass in diesem Jahr der größte Teil der Lehrlinge den Abschluss der 10. Klasse hat.

Im Lehrkabinett 1978

Zu einer Aufgabe, die die gemeinsame Anstrengung von Lehrlingen und Lehrausbildern fordert, gehört die sinnvolle und abwechslungsreiche Gestaltung der Freizeit. Mit ihrem neuen selbsterbauten Freizeitzentrum auf dem Gelände der BBS haben sie sich eine kulturelle Einrichtung geschaffen, auf die jede Betriebsberufsschule zu Recht stolz wäre. Auch die sportlichen Erfolge der vergangenen Jahre verlangen Anerkennung. Ausdruck dafür ist die Tatsache, dass der Stärkste Lehrling der DDR viermal hintereinander von der BBS Volkswerft kam.

Aber in all den Jahren war die Frage woher die erforderlichen Arbeitskräfte nehmen ? Mitte der 80er wurde in der BBS das Berufsbild des „Betriebs- u. Schiffbauschlosser“ mit einer 3jährigen Ausbildung entwickelt. Diese Ausbildung sollte für die Schulabgänger nach der 8. Klasse angeboten werden. Später wurde auch in dem neu entwickelten Beruf „Hilfsschlosser“ mit Teileausbildung für Schulabgänger mit einem Abschluss unterhalb der 8. Klasse bzw. ohne Schulabschluss ausgebildet. Bis zur Wiedervereinigung war in der DDR-Zeit eine 2-jährige Berufsausbildung üblich. Voraussetzung war der Abschluss der 10-Klasse. Eine 3 jährige Ausbildung gab es mit Abitur.

Durch die Volkskammer der DDR wurde am 17.7.1990 das „Gesetz zur in Kraftsetzung des Berufsbildungsgesetzes der BRD durch die DDR“ sowie das „Gesetz über Berufsschulen“ beschlossen. Mit der Umstellung der Berufsausbildung auf die neuen Ausbildungsberufe ergaben sich eine Reihe von Aus-, Fortbildungs- und Umschulungsproblemen die es schnellstens zu lösen galt. So waren die inhaltlichen Voraussetzungen zur Ausbildung in den neuen Berufen zu schaffen und der bauliche Zustand der „Betriebsberufsschule“ durch Modernisierung der Labore, Kabinette und Werkstätten neu zu gestalten. Der Ausstattungsgrad an Maschinen, Werkzeugen und Unterrichtsmitteln entsprach nicht immer den Anforderungen. Es wurden Projekte und Leittexte entwickelt sowie neue Arbeitsmaterialien beschafft.

Schließlich mussten sich auch die Ausbilder auf die Inhalte der Ausbildungsverordnungen und die neuen rechtlichen Bedingungen einstellen. Die Mitarbeiter der BBS standen in der Pflicht diese aktuellen Aufgaben durch ein hohes Maß an Rationalität und kostengünstige Gestaltung der Aus- und Fortbildung umzusetzen.

Am 3. September 1990 nahmen 259 Auszubildende ihre Lehre an der Betriebsberufsschule auf. Nach der „Wende“ mussten zusätzliche Anforderungen bei der Ausbildung berücksichtigt werden. So musste ein Krantransport mit 2 Brücken-/Portalkrane mit 3,2 und 8,4 t abgesichert werden. Die Sozialräume (Umkleideräume, Pausenräume und Toilettenräume) mussten nach aktuellen Standards hergerichtet werden. Die Werkstattbereiche mit besonderen Gefahren (Gase, Dämpfe, Schweißrauche und Stäube) mussten mit Schutzvorkehrungen (Raum- und Werkstattlüftung, Schutzvorrichtungen an Maschinen, persönliche Körperschutzmittel, Trennwände Schweißkabinen, usw.) ausgestattet sein.

In der BRD war eine 3-jährige Berufsausbildung für 10-Klässler in den Berufen: Konstruktionsmechaniker, Anlagenmechaniker, Industriemechaniker und Werkzeugmechaniker möglich. Eine 2jährige Ausbildung gab es für niederen Schulabschluss. Eine 3-jährige Ausbildung zum Fertigungsmechaniker war auch für 10-Klässler. 1993/1994 fand der Umzug der BBS in die Mitte neu erbaute Kompaktwerft statt.

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Durch den Umbau der VWS zu einer Kompaktwerft in den Jahren 1995 -1998 wurden die ursprünglichen zur Werft gehörenden der Nord- und Südbereich nicht mehr benötigt. Damit war der Verbleib der Berufsbildung im verbleibenden Werftgelände in Frage gestellt. Mit Beschluss der Aufsichtsratssitzung vom 06.03.1998 wurde festgelegt, dass die Berufsbildung in die „Kompaktwerft“ einzuordnen ist. In einem Gespräch mit dem damaligen Leiter der BBS, Herrn Kersten Bartels sprach er die Situation an, dass nach dem die Entscheidung zur Kompaktwerft die BBS neue Flächen und Räume benötigte.

 

Mit dem Bau und der Inbetriebnahme des Berufsbildungszentrums zu Lehrbeginn im Jahr 1998 war auch die Voraussetzung gegeben eine effektive und rentable Berufsausbildung mit langer Tradition fortzusetzen.

Es fand eine Ausbildung in folgenden Bereichen statt:

  • Grundausbildung Metall/Plaste

  • Kursstätte Schweißausbildung (Lichtbogenhandschweißen, MAG/MIG-Schweißen, WIG-Schweißen,

  • Gasschweißen, Brennschneiden von Hand)

  • Ausbildung Rohrbearbeitung

  • Ausbildung Schiffbau

  • Ausbildung Elektrotechnik

  • Ausbildung Kaufmännische Berufe

  • Ausbildung Mechanische Bearbeitung (Drehen/Fräsen)

  • Verwaltung

Auch wurden laut Ausbildungsverordnung + solche Ausbildungsinhalte und Zusatzqualifikationen in der Schweiß- und Steuerungstechnik, der CNC- Programmierung, sowie der Kranausbildung angeboten.

Um die Herausforderungen, welche die Werft so ab 2011 an die Berufsausbildung stellte, gerecht zu werden und immer genug Nachwuchs ausbilden zu können waren die Mitarbeiter der Berufsausbildung regelmäßig im Territorium in den Schulen unterwegs um auf die attraktiven Berufsbilder aufmerksam zu machen. So kann man im Nieparser Amtskurier v. 10. Januar 2011 in einem Artikel nachlesen, dass es auch für die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit gab, sich auf der Volkswerft selber einen Eindruck von der Volkswerft und den Ausbildungsmöglichkeiten zu verschaffen. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass die Abteilung Berufsausbildung immer ein begehrter Ansprechpartner für die Praktika von Studenten und Schülern war.

Dualer Studiengang

Im Jahre 1993 trafen sich die Personalleiter & Ausbildungsleiter der Werften in MVP im Dieselmotorenwerk Rostock mit dem Ziel der Schaffung eines dualen Studienganges mit Praxisanteilen in den Unternehmen der maritimen Industrie. Es sollte eine Ausrichtung auf solche Fachrichtungen wie Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Schiffbautechnik vorgenommen werden. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Stralsund und der IHK zu Rostock wurden die Curricula erarbeitet und mit Bildungsabschlüssen, wie zum Beispiel den Abschluss zum Industriemeister – Metall kombiniert.

Schweißtechnische Kursstätte

Eine Besonderheit war sicherlich die Kursstätte für die Schweißausbildung (Lichtbogenhandschweißen, MAG/MIG-Schweißen, WIG-Schweißen, Gasschweißen, Brennschneiden von Hand) der Berufsschüler aber auch für die regelmäßige Wiederholung für die Schiffbauer. Diese Kursstätte stand auch anderen Betrieben des Territoriums zur Verfügung. Diese Kursstätte konnte für sich in Anspruch nehmen als eine anerkannte „Schweißtechnische Kursstätte“ nach ISO 9002 durch den „Deutschen Verband für Schweißtechnik“ zertifiziert worden zu sein.

Mit der Insolvenz der P+S Werften im Herbst 2012 entstand eine sehr unklare Situation bezüglich der Lehrlinge die am 1.9.2012 ihre Ausbildung begannen. Trotz der Insolvenz der P+S Werften wurde die Ausbildung weiter geführt. Die Leitung des BBZ's fand gemeinsam mit der Landesregierung, der IHK zu Rostock und dem Arbeitgeberverband NORDMETALL eine Lösung, die Ausbildung nicht zu unterbrechen. Es wurde ein spezielles Landesprogramm zur finanziellen Absicherung der Ausbildung genutzt. Hierbei war auch der Betriebsrat eingebunden.

 

Bedingt durch die neuen Prüfungstermine schwankte die Zahl der Azubis im Ausbildungsjahr. Die Prüfungstermine liegen, bundeseinheitlich, im Frühjahr und im Herbst des Jahres. Fast alle Ausbilder arbeiteten in den Prüfungsausschüssen der IHK mit. Im Jahr 2013 befanden sich in 3 Ausbildungsberufen (Fertigungsmechaniker/in=44, Industriekaufmann/-frau = 5, Mechatroniker/in = 3) verteilt über 3 Lehrjahren insgesamt 52 Azubis. Der 31.7.2022 war der letzter Tag der Abt. Berufsausbildung, bis hierher konnten alle 24 Azubis ihre Ausbildung beenden.

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